Der Beitrag des , leider hinter einer Bezahlschranke, liegt wenige Tage zurück. Ihr verpasst meiner Meinung nach nichts, wenn ihr ihn nicht last, lest. Weil wiederkehrende Berichterstattung. Ein Phänomen das auf viele Medien, auch öffentlich-rechtliche zutrifft, statt den Verantwortlichen in den öffentlichen Verwaltungen und politischen Gremien endlich die richtigen Fragen zu stellen.
Nicht ganz vier Jahre (1.434 Tage)
Die Zeit, die uns ab Stand heute, 27. Januar 2026 bleibt, um das Ziel, die Überwindung der Obdachlosigkeit in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu erreichen. Die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Berlin stellten bereits Ende September 2024 fest, dass das Land Berlin und der Bund bei der Überwindung der Obdachlosigkeit scheiterten. Hier müsste Journalismus im wahren Sinn des Wortes ansetzen. Selbst wenn man sehr positiv denkt würde eine sachliche Berichterstattung nach vorheriger Recherche zum Ergebnis kommen dass das vereinbarte Ziel, 2030, nicht zu erreichen ist. Das heißt auch, dass man die Verantwortlichen in den öffentlichen Verwaltungen und in der Politik konkret damit konfrontieren und auffordern sich unmissverständlich zu erklären wie man das innerhalb der kürze der Zeit schaffen will. Welche konkreten Maßnahmen umgesetzt werden. Wie diese Maßnahmen konkret finanziert werden.
Gemeinsamkeiten (Nationaler Aktionsplan und Kölner Konzept)
Für mich enthalten sowohl der Nationale Aktionsplan zur Überwindung der Wohnungslosigkeit der Bundesregierung als auch das Kölner Konzept zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit grundsätzlich viele gute Ansätze. Beide haben aber auch die Gemeinsamkeit das sie meiner Meinung nach nicht konkret genug, zu unverbindlich formuliert sind und das die Finanzierung der einzelnen Punkten nicht gesichert ist.
Beispielsweise soll ja in Köln die Aufenthaltsdauer der Menschen in Einfachhotels auf neun Monate begrenzt werden und die Vermittlung in Wohnraum über eine Soziale Wohnraumagentur erfolgen. Was, auch wenn der Gedanke nicht neu ist, aus wenigstens zwei Gründen scheitern wird. Erstens, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, in den man die Menschen vermitteln kann. Zweitens, weil man ausblendet, obwohl die hiesige Sozialverwaltung und der Rat das seit wenigstens sechs Jahren wissen, dass viele Menschen die auf der Straße leben die Angebote ablehnen, weil sie selbstbestimmt leben, sich nicht bevormunden und entmündige lassen wollen. Sprich, sie würde man nicht erreichen, wenn sie am Ende, mangels Wohnraum, wieder den Mühlen der Armutsindustrie zugeschoben werden würden.
Hier müssen sich die Medien meiner Meinung nach mit beiden Dokumenten auseinandersetzen und konkret berichten wie die Verantwortlichen diese umsetzen wollen. Das heißt? Wann beginnt eine Maßnahme? Wann endet sie? Innerhalb welchem Zeitraum soll sie umgesetzt werden? Wie wird sie finanziert? Um welchen Anteil wird die Obdachlosigkeit dadurch zurückgehen?
Wenig überraschend
Im Beitrag äußert sich ein Mitarbeiter der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe dahingehend, dass die Zielmarke bis 2030 auf keinen Fall erreicht wird und das eher mehr als weniger Menschen wohnungslos und obdachlos werden. Eine Entwicklung die ich auf Grund eigener und persönlicher Beobachtungen, wenn ich in Köln unterwegs bin, seit Ende der Corona Pandemie wahrnehme. Das vor allem, aber nicht nur in der Innenstadt, hier im Bereich um den Hauptbahnhof zum Beispiel, mehr Menschen als sonst auf Platte machen. Das ganze Jahr über. Eine Entwicklung die mich angesichts des Herumgeeiere der öffentlichen Verwaltungen und der politischen Gremien nicht überrascht.
Ein unstrittiger Grund ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum für alle. Ein weiterer, dass man nicht auf die tatsächlichen Bedarfe und Wünsche der Menschen die auf der Straße leben eingeht. Das die Kommunen und die Politik seit Jahren über die Menschen reden, statt mit ihnen. Würde man davon absehen und sein Verhalten dahingehend ändern, würde das zwar nicht von heute auf morgen zu einer vollständigen Überwindung von Obdach- und Wohnungslosigkeit führen, aber dazu das weniger Menschen als jetzt auf der Straße leben. Weil sie von sich aus auf die Hilfen zugehen, die Angebote annehmen und sich auch helfen lassen würden.
Wenn man sich die Ergebnisse einer Befragung Wohnungsloser ohne Unterkunft und verdeckt wohnungsloser in Nordrhein-Westfalen anschaut und mit dem Streetwork-Abschlussbericht Juni 2018 - Mai 2019 (dieser ist leider nicht öffentlich im Ratsinformationssystem der Stadt Köln hinterlegt) vergleicht, bestätigt die erstgenannte Befragung meiner Meinung nach die Gründe, die interviewte Obdachlose im Streetwork-Abschlussbericht angeben, wegen derer sie Hilfen, Unterbringungsangebote beispielsweise nicht annehmen.
Hier müssen die Medien, um in Köln zu bleiben, den Verantwortlichen in der Sozialverwaltung, aber auch den Ratsfraktionen endlich die richtigen Fragen stellen. Den Ratsfraktionen deshalb, weil diese Vertreterinnen und Vertreter in die Stadtarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenpolitik senden können. Das intransparente und vermutlich rechts- und somit verfassungswidrige Gremium, dem der Streetwork-Abschlussbericht Anfang 2020 vorgelegt wurde.