Aus einem aktuellen Beitrag der .

Ich wollte den Mann vom Camp fragen, wie es ihm geht. Er war zugewandt, aber seine Freundin wurde wütend. Wenn ich mit ihrem Kumpel reden wolle, solle ich mich zwei Straßen weiter anmelden. Im Klartext: Lass uns in Ruhe mit deinen Fragen.

Was hätten sie auch sagen sollen, was nicht längst bekannt ist?

Vor allem diese Frage bringt es sehr gut auf den Punkt. Warum sollten Menschen die obdach- oder wohnungslos sind etwas sagen, wenn es längst bekannt ist und am Arsch vorbeigeht? Der Gesellschaft. Den Medien. Den öffentlichen Verwaltungen. Den Parteien. In diesem Kontext muss man auch öffentliche Debatten betrachten die wir zur Zeit in Köln haben. Seit Ende Januar 2025 um die zunehmende Verwahrlosung. Das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben. In den Kommunen, gleich wo, muss man sich die Frage stellen was man will. Herumeiern? Oder strukturiertes Vorgehen und nachhaltige Lösungen? Vor allem brauchen wir ein Bewusstsein das wir das Ziel (die Überwindung der Obdachlosigkeit in den Mitgliedsstaaten der Euroäischen Union bis 2030) nicht erreichen und kläglich scheitern werden. Zumindest in Deutschland. Weil wir zu viel reden, statt zu machen. Wegen Scheindebatten in Pseudogremien. Weil man über die Menschen redet die es betrifft, statt mit ihnen.

Obdachlose wollen schließlich auch kiezig wohnen und nicht in einer überfüllten Notunterkunft.Und dazu gehört für viele eine Wohnung mit einer Heizung, die warm hält, und einer Tür, die man zumachen kann, wenn ungebetene Gäste kommen und einen ausfragen wollen. Ist das zu viel verlangt?

Selbstverständlich ist das nicht zu viel verlangt. Aber wie gesagt, es geht den öffentlichen Verwaltungen und politischen Gremien am Arsch vorbei. Wenn sie nicht zu sich selbst ehrlich sein wollen, sollten sie wenigstens aufhören obdach- und wohnungslose Menschen, die Bürgerinnen und Bürger zu verarschen.

Manches ist aus Gründen leider nicht so einfach wie es erscheinen mag. Bei dem Thema ist es aber einfach, fehlender politischer Wille.

Beispielsweise Housing First. Viele, auch verschiedene Parteien, sehen das als einen Baustein um Obdach- und Wohnungslosigkeit zu überwinden. Was man machen muss? Konkrete Beschlüsse, wie man den dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum für alle schaffen und wie man ihn finanzieren wird. Verbindliche Entscheidungen wie man die Menschen, die zur Zeit wohnungssuchend sind unterbringt, bis der benötigte Wohnraum (auch für Housing First) zur Verfügung steht. Was man tut? Scheindebatten in Pseudogremien. Das Rad schon wieder neu erfinden. Und noch ein Housing First Modellprojekt ins Leben rufen.

Die Gründe wegen derer Menschen, die auf der Straße leben, nicht in die Unterkünfte wollen sind seit Jahren bekannt und zumindest in Köln können sich die Sozialverwaltung der Stadt und die Ratsfraktionen seit Anfang 2020 nicht mehr rausreden. Damals wurde der Streetwork-Abschlussbericht Juni 2018 - Mai 2019 den Mitgliedern der Stadtarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenpolitik, das heißt auch den Ratsfraktionen vorgelegt. Bei einzelnen Punkten wurde inzwischen nachgebessert. Bei den Notschlafstellen in der Vorgebirgsstraße (ganzjähriges Angebot für obdachlose Unionsbürgerinnen und Unionsbürger aus Osteuropa) und in der Ostmerheimer Straße (Winterhilfe) können sich die Menschen auch tagsüber aufhalten und es gibt Spinde wo sie ihre Sachen wegschließen können.

Bei den meisten und wesentlichen Punkten tat sich in den letzten sechs Jahren nichts. Die Belegung wurde nicht von Mehr-Bett-Zimmern auf abschließbare Einzelzimmer umgestellt. Es gibt keine und zu wenig Angebote für obdachlose Paare, Obdachlose mit Tieren. Die Taschengeldregelung wurde nicht abgeschafft.

Die beiden Zitate (aus dem Beitrag der taz) vom Anfang dieses Textes sind keine Überraschung!

Die Berichterstattung verschiedener Medien, um bei dem Beispiel zu bleiben, nehme ich einerseits so wahr das man immer öfter über die Themen Obdach- und Wohnungslosigkeit berichtet und das dabei immer öfter (im Vergleich zu Vorjahren) auch Obdach- und Wohnungslose als Expertinnen und Experten in eigener Sache zu Wort kommen. Das war es aber auch schon.

Der Staat und die Politik machen nichts aus den so gewonnenen Erkenntnissen. Die Medien stellen nachwievor nicht die richtigen und entscheidenden Fragen. Warum zum Beispiel die Stadt Köln und der Rat seit Anfang 2020 nichts aus und mit den konkreten Erkenntnissen des Streetwork-Abschlussbericht machten.