Um die Überschrift zu verstehen müsst ihr euch einen aktuellen Beitrag der WDR Lokalzeit aus Aachen anschauen und die nachfolgenden Auszüge aus dem Streetwork-Abschlussbericht Juni 2018 - Mai 2019 durchlesen. Der Anfang 2020 den Mitgliedern der Kölner Stadtarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenpolitik, das heißt auch den Ratsfraktionen, vorgelegt wurde.
Bezeichnend für die Interviewten ist, dass sie oft negative Erfahrungen in den Unterkunftsmöglichkeiten des Hilfesystems gemacht haben und sich bewusst dagegen entschieden haben, diese in Anspruch zu nehmen.
lehnt alle Hilfen mit Hinweis auf den Hund ab, entweder könne oder wolle er wegen des Hundes keine Hilfen annehmen.
Sie möchten nicht getrennt schlafen und lehnen daher Notschlafstellen ab. Interesse am Paarwohnheim.
OBG-Unterbringung lehnt er ab, da er nur ein Doppelzimmer gemeinsam mit seinem Weggefährten beziehen würde.
Er ist ohne Unterkunft und lehnt Unterkünfte mit Mehrbettzimmern ab.
Er ist anspruchsberechtigt, lehnt eine OBG-Unterbringung ab, da er seine Frau nicht alleine auf der Strasse zurücklassen möchte.
Am größten ist der Wunsch nach „einer eigenen Wohnung“
Ein weiterer Teil der Befragten wünscht sich ein Leben außerhalb der „klassischen“ Wohnung in einer „alternativen Wohnform“.
Aus den Antworten wird deutlich, dass der überwiegende Teil der Befragten das Bedürfnis nach einem „geschlossenem Raum“, etwas „das abschließbar ist“ oder nach „vier Wänden und Tür zum zumachen“ hat, der unter anderem Schutz, „Ruhe“ und Privatsphäre ermöglicht. Das hat man in der Notschlafstelle nicht.
Der geschlossene Raum beziehungsweise Rückzugsort ist für einige der Befragten die Voraussetzung, „um von dort aus wieder in die Gesellschaft reinkommen zu können“, „wieder arbeiten zu gehen“, „einen festen Job haben (…) wieder im Leben zu stehen“, „einen Schulabschluss nachzuholen und eine Ausbildung zu beginnen“.
Andere gaben an, dass der Staat, die Stadt Köln, die Gesellschaft oder das Ordnungsamt sie daran hindern würden, ihr Leben nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu leben, „weil ich mit meinem Zelt überall vertrieben werde“ oder „weil der Staat keine alternativen Wohnformen zulässt“ und „all die möglichen Bestimmungen, die einem verbieten sich selbst zu verwirklichen, um zum Beispiel in einem Erdhaus zu wohnen.“
wünschen sich Unterstützung durch den Staat, dahingehend, dass dieser „Grundstücke für alternative Wohnformen zur Verfügung stellt“
blöd, weil man zu einer bestimmten Uhrzeit da sein muss
nur 3 Tage dort schlafen zu dürfen und einen Monat auszusetzen; keine Tiere
Pförtner habe Ausländerhass. Ihm sei verboten worden, dass sein bester Freund sich mit ihm trifft.
Regelung, dass man einen Monat dort schlafen darf und dann einen draußen sein muss
„Ich möchte nicht ins Obdachlosenheim mit mehreren Menschen auf einem Zimmer und ich möchte auf meinem Zimmer rauchen.“
Aber er habe immer alles abgelehnt, weil ihm sein Hund vorginge.
Musste Hotels verlassen wegen Damenbesuch
mehrere Hotels – Rausgeflogen „wegen Frauen, mit denen ich zusammenleben muss.“
Die Unterbringung ist gescheitert an: „Zu viele Menschen auf einem Zimmer. Ich komme mit fremden Leuten nicht klar. Ich brauche ein Einzelzimmer.“
Nur 3 Wochen im Hotel und dann wieder raus. Zu viel Kontrolle bezüglich kommen und gehen.
Kann nicht im Hotel schlafen, weil ich nicht mit 3 oder 4 Leuten im Zimmer schlafen kann. Ich brauche ein Einzelzimmer.
Hotelunterbringung gescheitert, weil er nicht ohne seine Frau in ein Hotel ziehen und sie alleine auf der Straße zurücklassen wollte.
„Hotelzimmer habe ich gesagt nein, weil ich da nicht alleine leben kann. Das hat mit Privatsphäre zu tun. (…) wenn da meine Sachen rumliegen, kann da jeder drin schnüffeln.“
Speziell Vorgebirgstrasse: Würde meine Hunde nicht im Tierheim abgeben.
„Wenn ich irgendwo schlafen muss, wo ich meine Frau und meinen Hund nicht mitnehmen kann, um mit denen dort zu schlafen, dann bringt das nichts. Soll ich mich von allem trennen, um drinnen schlafen zu können? Ne, dafür will ich kein Mensch sein.“ Antwort auf die Frage, warum er die Winterhilfe in der Vorgebirgstrasse nicht nutzen möchte, wo er getrennt von seiner Frau übernachten und den Hund über Nacht im Tierheim abgeben muss.
Hilfen gescheitert wegen Taschengeldregelung
„Eingrenzung in meiner persönlichen Freiheit.“ „Nicht wohnen ohne Leben, sondern Wohnen um zu leben! Wenn mir das Wohnen das Leben wegnimmt, hat es nix gebracht!“ (bezogen auf Besuchsregelung, Anwesenheitszeiten)
In stationären Einrichtungen: keine Taschengeldregelung
keine Taschengeldregelung „bin doch kein Kleinkind!“
wegen Taschengeldregelung und das man damit rechnen musste, dass der Betreuer unangemeldet ins Zimmer kommt. Zudem musste man zu bestimmten Zeiten zu Hause sein. All das, was das Leben ausmacht, wird so weggenommen, was zum Verlust der persönlichen Freiheit führt.
Ich würde keine BeWo mehr wollen, weil mir da zu viel Betreuung ist. So regelmäßig jemanden zu sehen ist mir zu viel. Das gilt auch für Wohnprojekte. Sobald man sich mal an Termine nicht hält, ist die Wohnung wieder weg.
„Nichts! Ich bleibe draußen wegen meiner Freundin. Wir wollen nicht getrennt untergebracht werden.“
Garnichts. Aus der Not heraus, da es keine gemeinsame Unterkunft für uns beide gibt.
Akzeptanz von alternativen Lebensentwürfen
Unterstützung bei der Wohnungssuche – direkt als Obdachloser von der Straße aus und nicht über Männerwohnheim in Wohnraum
bessere Unterkünfte hinsichtlich Bausubstanz
„Eine Tür, die ich hinter mir zumachen kann. Ruhe. Kommen und gehen können, wann ich möchte.“
Möglichkeit, zum Beispiel eine Nacht mit Abmelden im Hotel nicht anwesend zu sein, ohne gleich das Hotelbett zu verlieren, ansonsten nimmt es einem die freiheitliche Lebensgrundlage und schneidet einen vom sozialen Leben ab.
Einzelzimmer im Hotel mit der Möglichkeit, seinen Hund mitzubringen
mehr Angebote für Menschen mit Tieren, die gemeinsam mit ihren Tieren leben/schlafen wollen
Die Einrichtungen sollten mehr darauf ausgelegt sein, den Leuten zu helfen und nicht als Geschäft
mehr Unterkünfte für Pärchen
Allen gemeinsam ist der Wunsch nach einem Ort, der ihnen Ruhe, Schutz, Geborgenheit sowie Privatsphäre bietet und an dem sie ein autonomes Leben nach ihren Vorstellungen leben können.
Aufgrund konkreter Erfahrungen unserer InterviewpartnerInnen im Hinblick auf Übernachtungsmöglichkeiten, lehnen diese die vorhandenen Unterbringungsmöglichkeiten größtenteils ab und schlafen stattdessen lieber draußen.
Ein wichtiger Grund ist die Ablehnung einer Unterbringung in Mehrbettzimmern wie OBG-Unterbringungen und Notschlafstellen.
Ein Großteil unserer Befragten könnte durch das Hilfesystem erreicht werden, wenn dieses ergänzt würde um ein breiteres Feld von Individuallösungen.
Versteht ihr jetzt? Warum ich, wann immer es um die Themen Obdach- und Wohnungslosigkeit geht, von Scheindebatten in Pseudogremien sprach. Das man mit obdach- und wohnungslosen Menschen als ExpertInnen in eigener Sache reden muss, statt über sie. Das die öffentlichen Verwaltungen und politischen Gremien zu viel reden, statt zu machen. Das ich die Gefahr sehe, dass das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben nicht zu einer spürbaren Entlastung der Situation am Neumarkt führt.
Ob sie das tun ist eine andere Frage, aber das sollten die Freien Träger der Wohlfahrtspflege genauso bestätigen können wie die ehrenamtlich organisierten Gruppen und Vereine der Obdachlosenhilfe. Das Menschen die auf der Straße leben die bestehenden Angebote bewusst nicht nutzen, weil sie sich nicht an ihren tatsächlichen Bedarfen und Wünschen orientieren, sondern was das System ihnen vorschreibt und weil sie dort nicht selbstbestimmt leben und frei entscheiden können.
Was jetzt zu tun ist?
Zunächst müssen wir uns bewusst sein, dass wir, das heißt Deutschland, die Bundesländer und die Kommunen, insofern auch die Stadt Köln, das Ziel (die Überwindung der Obdachlosigkeit bis 2030) nicht erreichen. Ja. Wir werden kläglich scheitern.
Strukturiertes Vorgehen!
Das Ziel ist gesetzt. Darüber brauchen wir keine Grundsatzdebatte zu führen.
Konkretes aus Erkenntnissen (die man aus dem Streetwork-Abschlussbericht hat) umsetzen. Beispielsweise
Abschaffung der Taschengeldregelung
Neuregelung der Verweildauer in den Notschlafstellen
Wechsel von Mehr-Bett-Zimmern auf Einzelzimmer
mehr Angebote für obdachlose Pärchen, Obdachlose mit Hunden/Tieren
Was man beschloss (vor der Sommerpause 2024 des Rat) ausreichend finanzieren und zeitnah umsetzen. Sprich, das Kölner Konzept zur Bekämpfung von Wohnungslosigkeit.
Housing First, wie es unter anderem Sam Tsemberis in einem Video der erklärt. Die Menschen mit dem versorgen was sie wollen und nicht mit dem, was das System ihnen vorschreibt. Wenn sie eine Wohnung wollen, dann eine Wohnung. Wenn sie etwas anderes wollen (alternative Lebensformen zum Beispiel), dann etwas anderes.
Transparenz und Teilhabe!
In der Übersicht auf der Homepage der sämtliche Strukturen aufnehmen, die sich in Teilen oder ausschließlich mit den Themen Obdach- und Wohnungslosigkeit befassen.
Angaben zu deren rechtlichen Grundlagen, beispielsweise Gemeindeordnung des Land Nordrhein-Westfalen.
Angaben dazu, wie sich Menschen, vor allem obdach- und wohnungslose, in diesen einbringen können. Petitionsrecht ermöglichen.
Veröffentlichung der Tagesordnungen der Treffen und deren Niederschriften.
Die Befragung der Menschen, die in Köln auf der Straße lebten, im Zeitraum zwischen Juni 2018 und Mai 2019 war eine Form der Teilhabe wo ich keinen Grund sehe dies nicht beizubehalten. Ich sehe genauso wenig einen Grund der dagegen spricht die gleichen Fragen, die zum Streetwork-Abschlussbericht führten, dafür zu nutzen.
Wie, beziehungsweise wo würden sie gerne leben?
Wer oder was hindert sie daran so zu leben?
Wer oder was würde ihnen helfen so zu leben wie sie wollen?
Warum lehnen Befragte Notschlafstellen ab?
Warum lehnen Menschen OBG-Unterbringungen ab?
Warum schläft der/die Befragte auf der Straße?
Was macht die Straße für sie/ihn attraktiv?
Für welche Probleme hätten die Befragten gerne Unterstützung?
Wünsche und Verbesserungsvorschläge der Befragten an das Hilfesystem
Sofern ich die entsprechenden Veröffentlichungen im Ratsinformationssystem der Stadt Köln (einen Beschluss der Bezirksvertretung Innenstadt, den der Ausschuss für Soziales, Gesundheit, Seniorinnen und Senioren zur Kenntnis nahm) zum geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben richtig verstand ist das unter anderem geplant. Das man den Menschen für die das Angebot gedacht ist Teilhabe ermöglichen will, sprich die Weiterentwicklung des Angebot mitzugestalten. Das sollten die Sozialverwaltung der Stadt, der Sozialausschuss und die Bezirksvertretungen gleichermaßen bei Obdach- und Wohnungslosen tun.
Das sollte man zeitnah bei den entsprechenden Angeboten tun. Fachstelle Wohnen der Stadt Köln. Freie Träger der Wohlfahrtspflege. Unterkünfte. Notschlafstellen.
Die Menschen, wenn sie eine Unterkunft auf eigenen Wunsch hin verlassen, zu den konkreten Gründen befragen und was sich aus ihrer Sicht ändern muss.
Sachliche Debatten auf Augenhöhe (von allen Seiten)!
Etwas das ich in der öffentlichen Auseinandersetzung um die zunehmende Verwahrlosung in Köln oder die Debatte um den Neumarkt und das geplante Suchthilfezentrum am Perlengraben vermisse.
Andere Meinungen und Lösungen zulassen. Das heißt ja nicht, dass man diese genauso sehen und akzeptieren muss.
Sich informieren, recherchieren, statt wen an den Pranger zu stellen oder wie die Sau durchs Dorf zu treiben.
Bei sämtlichen Debatten wo es um Obdach- und Wohnungslosigkeit geht alle Akteure teilhaben lassen und einbeziehen, auch die ehrenamtlichen Gruppen und Vereine der Obdachlosenhilfe.
Bei sämtlichen Debatten wo es um Obdach- und Wohnungslosigkeit geht vor allem die Menschen um die es geht als ExpertInnen in eigener Sache einbeziehen und teilhaben lassen. Statt lediglich über sie zu reden.
Abschließend! Perspektive?
Ausgehend vom Beispiel des geplanten Suchthilfezentrum am Perlengraben. Ich nehme grundsätzlich, auch wenn es noch nicht so ganz perfekt ist wie ich es mir wünsche, eine positive Veränderung wahr. Sowohl in der Verwaltung der Stadt Köln, als auch in den politischen Gremien (Rat, Sozialausschuss, Bezirksvertretung Innenstadt). Aber auch bei den demokratischen Parteien. Es ist ein Licht am Ende des Tunnel sichtbar. Die Bereitschaft ein gemeinsames Ziel zu definieren und das in den Fokus zu stellen ist grundsätzlich vorhanden.
All das ist was ich in früheren Jahren wahrnahm und während meines politischen Engagement erlebte im Vergleich zu damals ein Quantensprung. Ich hoffe das dem auch konkretes folgt. Das man, was man beschliesst mit ausreichenden Mitteln ausstattet. Das man, was beschlossen wurde, konsequent und zeitnah umsetzt.
Trotzdem blicke ich eher pessimistisch in die Zukunft, weil ein entscheidender Faktor nachwievor fehlt. Man spricht über die Menschen die es betrifft, statt mit ihnen. In der Politik. In den Gremien. In den Medien. In der Gesellschaft.
Ich weiß das die Medien, , , zum Beispiel immer wieder mal über die Themen Obdach- oder Wohnungslosigkeit berichten und das dabei auch Betroffene zu Wort kommen. Ich habe auch Verständnis das sie ein breites Spektrum an Themen abdecken müssen und es insofern nicht allen recht machen können. Dennoch würde ich mir wünschen das sie endlich mal die richtigen Fragen stellen, statt einer wiederholenden Berichterstattung. Mit richtigen Fragen meine ich Fragen wie beispielsweise diese.
Was machten die Sozialverwaltung der Stadt Köln und der Rat der Stadt Köln aus den Erkenntnissen des Streetwork-Abschlussbericht Juni 2018 - Mai 2019?
Wenn sie nichts daraus machten, warum?
Hätten wir in Köln aktuelle Debatten (zunehmende Verwahrlosung der Stadt, öffentlicher Raum) nicht, wenn man etwas aus den Erkenntnissen des Streetwork-Abschlussbericht gemacht und Obdach- und Wohnungslose früher hätte teilhaben lassen?
Um wieviel wäre die Stadt Köln dem Ziel (Überwindung der Obdachlosigkeit bis 2030) näher, wenn man etwas aus den Erkenntnissen des Streetwork-Abschlussbericht gemacht und mit den Betroffenen geredet hätte, statt über sie?