Bezugnehmend auf einen Artikel der Tageszeitung junge Welt. Mit der Überschrift meine ich nicht, dass das Thema nicht wichtig ist und man sich nicht damit auseinandersetzen muss. Mit der Überschrift meine ich, dass das nicht zielführend ist, diese ständig sich wiederholende Berichterstattung in den Medien, statt, insbesondere den Verantwortlichen in den öffentlichen Verwaltungen und politischen Gremien die richtigen Fragen zu stellen.

Die junge Welt bietet wie dies vereinzelt auch andere Medien machen, die Möglichkeit am Ende eines Artikel über einen entsprechenden Menüpunkt einen Leserbrief zu verfassen. Was ich auch tat. Nachfolgender Text.

Bei Beiträgen wie diesen bin ich gespalten. Einerseits finde ich es gut und leider auf absehbare Zeit wichtig, dass Medien das Thema immer wieder mal aufgreifen und darüber berichten. Natürlich ist es nicht verwerflich wenn dabei verschiedene Akteure zu Wort kommen. Beispielsweise jemand von der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Andererseits versuche ich seit Jahren vergeblich zu verstehen was diese sich wiederholende Berichterstattung soll.

Entscheidend ist vor allem was die Menschen um die es hier geht wollen, was ihre konkreten Bedarfe und Wünsche sind. Oder würdet ihr, wenn ihr wissen wollt wie unzufrieden oder zufrieden eure Leser*innen sind, die einer anderen Tageszeitung befragen? Eine Frage die die Medien bewusst stellen müssen, ist ob die Verantwortlichen in den öffentlichen Verwaltungen und politischen Gremien das überhaupt wollen. Einmal die Haushalte entlasten, weil genug bezahlbarer Wohnraum für alle zur Verfügung steht. Beziehungsweise die Menschen menschenwürdig unterbringen, sprich für Sicherheit sorgen.

Eine andere Frage die man stellen muss ist, warum man nichts aus dem was man weiß macht. Beispielsweise den Erkenntnissen aus dem Streetwork-Abschlussbericht Juni 2018 - Mai 2019, der der Sozialverwaltung der Stadt Köln und den Ratsfraktionen seit Anfang 2020 vorliegt. Darin geben Obdachlose die man befragte an, also die meisten, dass sie eine Unterbringung in Mehr-Bett-Zimmern ablehnen. Weil sie dort keine Privatsphäre haben. Weil diese keine Sicherheit bieten, weil die Türen nicht abschließbar sind.

Darüber, ob dieser für einen Abdruck berücksichtigt wird habe ich selbstverständlich keinen Einfluss. Ob sich dadurch bei den öffentlichen Verwaltungen oder politischen Gremien etwas bewegt kann ich leider nicht beurteilen. Es ist allerdings hilfreich je mehr Menschen, ob armutsbetroffen oder nicht, sich zu einem Thema, wie beispielsweise diesem, äußern.

Das Problem sehe ich weniger darin das es unterschiedliche Meinungen und verschiedene Lösungen, wie man Obdach- und Wohnungslosigkeit überwinden will, gibt. Sondern darin, auch bei den Medien, dass man über die Menschen um die es geht redet, statt mit ihnen. Wenn wir Obdach- und Wohnungslosigkeit überwinden wollen und wenn wir nachhaltige Lösungen wollen, müssen wir zunächst mit den Obdach- und Wohnungslosen sprechen, sie an Debatten und Entscheidungsfindungen in politischen Gremien teilhaben lassen.

Mögliche Fragen

die aus meiner Sicht aktuell Priorität genießen müssen.

  • Welche konkreten Maßnahmen muss man zeitnah umsetzen, um die Unterbringungsangebote für Obdach- und Wohnungslose so zu gestalten das mehr Betroffene diese annehmen?

  • Wie wird man die konkrete Finanzierung der Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum für alle sicherstellen und gewährleisten?