Innerhalb der Berichterstattung zu den Warnstreiks zu denen ver.di bei kommunalen Verkehrsbetrieben aufrief, schlug ein Leser im Kölner Stadt-Anzeiger vor das ganz Köln mal streiken und keine Monatskarte kaufen müsste. Muss man nicht verstehen. Dagegen sein, dass eine Forderung von erfüllt wird, mehr Gehalt für die Mitarbeitenden kommunaler Verkehrsunternehmen, zugleich aber dafür das deren Kassen andererseits belastet werden, durch Ausfälle wegen ausbleibender Einnahmen weil Menschen keine Zeitfahrscheine mehr kaufen sollen.
Parallele zu einem grundsätzlichen Phänomen?
Ja. Das wäre meiner Meinung nach nicht das erste mal das wer zu einer bestimmten Aktion, in dem Fall eines Boykott aufruft und, wenn man dies genauer betrachtet am Ende nichts dabei herumkommen wird, außer heißer Luft. Können wir zur Zeit sehr gut erleben bei den Diensten us-amerikanischer Technikkonzerne. Viele reden darüber zu europäischen Alternativen zu wechseln. Die wenigstens machen es tatsächlich. Ich fühle mich insofern darin bestätigt wenn ich sage, dass wir hierzuland zu viel reden, statt zu machen.
Parallelen zu Protesten wo es um Armut, Obdach- und Wohnungslosigkeit geht?
Ja. Hier müssen wir von Gewerkschaften lernen. Sie reden nicht. Sie machen. Lernen vor allem was die Vernetzung und die Mobilisierung der Mitglieder angeht.
Eine Zeit lang nahm ich an Kundgebungen anlässlich der Sitzungen des Sozialausschuss oder Rat der Stadt Köln teil. Aktuell aus Gründen nicht mehr. Ähnliches Bild wie bei monatlichen Kundgebungen von #IchBinArmutsbetroffen auf dem Breslauer Platz. Immer die gleichen Gesichter, selten, wenn überhaupt, neue. Bei den erstgenannten Kundgebungen kam es lediglich einmal vor das deutlich mehr Teilnehmende vor Ort waren als sonst. Weil man den DGB und Mieterverein als Partner mit im Boot hatte und diese über ihre Kanäle auf die Aktion hinwiesen und zur Teilnahme aufriefen.
In den Tagen des Warnstreik bei den Kölner Verkehrs-Betrieben sprach ich mit einzelnen Menschen die ich regelmäßig sehe. Durchaus auch Gespräche mit unterschiedlichen Meinungen, allerdings auf Augenhöhe. Aber auch solche mit jammern auf hohem Niveau. Wenigstens einer Person erwiderte ich, dass sich hier die Gewerkschaften von ihr unterscheiden. Weil sie machen, statt zu reden. Weil die Menschen, die Mitglieder der Gewerkschaften, sich organisieren, zusammentun und für ein gemeinsames Ziel auf die Straße, in die Öffentlichkeit gehen.
Dessen bin ich mir bewusst, dass es Menschen gibt für die es aus Gründen nicht so einfach ist an Aktionen, Demonstrationen oder Kundgebungen teilzunehmen. Andererseits ist es meiner Meinung nach falsch das ständig zu wiederholen. Der Fokus sollte darauf liegen was man tun kann um diesen Menschen Teilhabe zu ermöglichen. Beispielsweise indem man eine Fahrgelegenheit organisiert oder die Kosten für einen Fahrschein. Wir müssen einen Weg finden wie man diese Menschen abholen und die Teilhabe innerhalb deren Möglichkeiten ermöglichen kann.
"müsste mal"
Ich sehe weniger einen Mangel an engagierten Menschen und Bündnissen, Gruppen, Zusammenschlüssen. Probleme sehe ich vor allem an folgenden Stellen.
Fehlende Vernetzung. Hier habe ich den Eindruck das es viele Engagierte gibt denen bestimmte Themen wichtig sind, dass manche, wenn es aber dann konkret darauf ankommt, doch ihre eigene Suppe kochen.
Schlechte Öffentlichkeitsarbeit. Wenn man die wesentlichen Infos über geschlossene Kanäle (Messenger, E-Mail) schickt, darf man sich nicht wundern wenn keine Teilnehmende zu den Aktionen kommen. Bei vielen ist es oft auch der Weg wie sie die Informationen kommunizieren.
Bildkacheln (Sharepics) sollten nicht textlastig sein und die wesentlichen Informationen enthalten. Titel der Aktion. Wann? Wo?
Ungenaue Ortsangaben statt kurz und knackig.
Ungenaue Uhrzeiten. Wenn eine Aktion zeitlich begrenzt ist auch die angeben, wann sie endet, für Teilnehmende die später dazustoßen wollen.
Unregelmäßige Veröffentlichungen auf Homepages oder in Sozialen Netzwerken. Ein schwerwiegender Fehler. Mir sagte jemand mal das heißt nicht das man täglich posten muss, aber regelmäßig. Alle zwei, spätestens alle drei Tage. Deswegen bin ich der Meinung das man, wenn man nicht die entsprechenden Kapazitäten hat, sich lieber auf eine Plattform beschränkt und diese regelmäßig mit Infos bespielt. Statt zu viele Baustellen zu haben und es nicht auf die Reihe zu kriegen sie regelmäßig zu bestücken.